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Neumen.GroßFamilien & UrSprungsTheorie
 
Wie bereits erwähnt, ist das MelodienRepertoire innerhalb der neurömischen Liturgie seit der Karolingerzeit einheitlich geregelt. Von einigen Varianten abgesehen sind daher im ganzen Verbreitungsgebiet (Italien, Frankreich, England, Deutschland, Österreich, Schweiz) die gleichen Melodien in den erhaltenen HandSchriften überliefert.

Das trifft jedoch nicht für deren Notation zu, die sich je nach Land, Region und Ort unterscheidet. Aus der Gesamtheit der verschiedenen RegionalSchriften ergeben sich wiederum Gemeinsamkeiten, die die Neumen in drei GroßFamilien einteilen lassen.

So unterscheiden wir ›AkzentNeumen‹, ›PunktNeumen‹ und ›MischNeumen‹. ›AkzentNeumen‹ bilden die größte Familie. Die ›PunktNeumen‹ und ›MischNeumen‹ stammen von ihnen ab, und man kann davon ausgehen, daß sie selbst auf die antiken Prosodien zurückzuführen sind.

Zur Frage nach dem UrSprung der lateinischen Neumen gibt es im Grunde vier Theorien, die auf eine Abstammung von der griechischen Schrift, den alexandrinischen Prosodien, den hebräischen LektionsSchriften und der ekphonetischen Notation der Byzantiner zielen.

Constantin Floros konnte nachweisen, daß die vierte Theorie die gültige ist: Aufgrund seiner minuziösen namenkundlichen, semeiographischen (notenschriftlichen) sowie auch semasiologischen (wortbedeutungskundlichen) Vergleiche gehen die lateinischen Neumen eindeutig auf die paläobyzantinische Notation zurück, die selbst wiederum mit der Prosodie zusammenhängt. Über den UrSprung der lateinischen Neumen sagt Floros, »daß Rom die Choralnotation mit bestimmten Änderungen direkt von Byzanz übernommen hat.«

Floros' Erkenntnis wiegt um so ›schwerer‹, wenn man bedenkt, daß die ChristenGemeinschaft (›orbis christianus‹) aufgrund der ›Filioque‹-Kontroverse durch das ›photianische Schisma‹ (867 n.Chr.) sowie das ›morgenländische Schisma‹ (ab 1054 n.Chr.) in die WestKirche (Rom) und die OstKirche (Byzanz) vollständig geteilt wurde.

Zwar wurden 1965 die wechselseitigen ExKommunikationen von Papst Paul VI. und dem Patriarchen Athenagoras I. aufgehoben (ohne Beilegung des ›Filioque‹-Streits), jedoch hatte die durch die beiden Schismen verursachte politische und kulturelle Teilung ihre Folgen bis zur letztlich noch heute existierenden Ost-West-Teilung Europas. Weitgehende Gemeinsamkeiten lassen sich dagegen an der ChoralKunst beider Kirchen nachweisen.

 
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Letzte Aktualisierung: 04.12.08
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