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Neue HändelPartitur entdeckt
 

Der Hamburger Musikologe Prof. Dr. Hans Joachim Marx hat im Herbst 2000 in der Bibliothek der Londoner Royal Academy of Music ein liturgisches Gloria (HWV deest) für Sopran, Violine I/II und Basso continuo in B-Dur von Georg Friedrich Händel (1685-1759) entdeckt.

Das bisher unbekannte FrühWerk konnte Marx in einem verstaubten Konvolut Händelscher OpernArien aufspüren, die er im Rahmen seines von der DFG geförderten Projekts Georg Friedrich Händel — Kompositionen zweifelhafter Echtheit untersuchte.

Die Echtheit des Werkes wurde auch von mehreren anderen führenden britischen und amerikanischen Händel-Forschern (Prof. Dr. Donald Burrows, Prof. Dr. Curtis Price, Prof. Dr. John Roberts, Prof. Michael Talbot) bestätigt.

Vermutlich wurde die Komposition um 1707 in Rom geschrieben, wohl als AuftragsArbeit für den römischen Fürsten und Mäzen Francesco Maria Ruspoli (1672-1731). Dieser dürfte das ca. 15 Minuten dauernde »Gloria« für einen GottesDienst auf seinem LandSitz bestellt haben.

Partitur und Stimmen gelangten dann vermutlich im 19. Jahrhundert über Richard John Samuel Stevens (1757-1837) in die Royal Academy of Music, welcher das NotenMaterial aus dem Nachlaß seines Lehrers William Savage (um 1720-1789) erhalten hatte, einem mit Händel befreundeten Sänger.

Marx, einer der führenden Händel-Experten unserer Zeit, hat das siebensätzige koloraturreiche Gloria in einer kritischen Ausgabe ediert. Der VorabDruck zur »Hallischen Händel-Ausgabe« (Bärenreiter BA 4248) ist bereits erschienen.

Ein Aufsatz von Marx erschien unter dem Titel »A newly discovered Gloria by Handel« in der renommierten FachZeitschrift »Early Music« (Volume 29, Issue 3: August 2001, S. 342-352).*

Die Entdeckung sorgte auch für einiges Aufsehen in der Öffentlichkeit. So erschienen Artikel in internationalen TagesZeitungen wie »The Times« (12.+14.03.01), »The New York Times« (13.03.01) und »Guardian« (04.06.01).

Im Rahmen der Göttinger Händel-Festspiele fand eine WiederAufführung am 03.06.2001 mit Dominique Labelle (Sopran) und dem Philharmonia Baroque Orchestra unter der Leitung von Nicholas McGegan statt.

Das Werk ist mittlererweile von mehreren Künstlern aufgenommen worden. Hervorzuheben wäre etwa die bei »Philips Classics« (462 597-2) erschienene Aufnahme mit Gillian Keith (Sopran), den English Baroque Soloists unter der Leitung von Sir John Eliot Gardiner.

* Siehe dazu auch Lindsay Kemp: »Launching Handel's Gloria« (in: »Early Music«, Volume 29, Issue 3: August 2001, S. 490-493); Clifford Bartlett, Anthony Hicks, Hans Joachim Marx, Michael Talbot: »The Handel 'Gloria' reconsidered« (in: »Early Music «, Volume 30, Issue 2: May 2002, S. 252-262); Gregory Barnett: »Handel's borrowings and the disputed Gloria«, (in: »Early Music«, Volume 34, Issue 1: February 2006, S. 75-92)

 
 Drucken   (01.06.2002 04:13) 
 
 
Letzte Aktualisierung: 09.03.10
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